Projekt des Monats November 2011

Dreh- und Angelpunkt der Bahntechnik

Kirchmöser, ein Ortsteil der Stadt Brandenburg an der Havel, liegt auf einer Halbinsel, eingebettet in die Brandenburger Seenlandschaft. Hier hat Bahntechnik Tradition – schon 1920 prägten bahnspezifische Betriebe den Standort. Fast vollständig revitalisiert, ist Kirchmöser heute ein ausgezeichnet angebundener Gewerbe- und Industriestandort für bahnaffine Gewerbe sowie Unternehmen aus den Bereichen Umwelt und Energie.

Bahntradition seit 1920 und Zukunft mit einmaligem Potenzial

Kirchmöser – ein Standort, der nicht nur die deutsche Geschichte und die der Bahnindustrie der letzten 100 Jahre widerspiegelt, sondern der auch für eine überaus gelungene Entwicklung steht. Als ehemaliger Standort einer Pulverfabrik und historischer Bahn-Standort finden sich hervorragende städtebauliche Grundstrukturen aus der Entstehungszeit in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Die frühere Altbrache hat sich in den letzten Jahren trotz Automatisierung mit steigenden Arbeitsplätzen zu einem florierenden Standort entwickelt. Einmalig für die Bahnindustrie, hat in Kirchmöser ein Netzwerk aus Stadt, Land und Bund sichergestellt, dass heute alle Wertschöpfungsketten der Bahntechnik sowie der gesamten Fahrzeug- und Fahrwegindustrie am Standort vorhanden sind.

Das große, auch internationale Interesse rührt nicht zuletzt daher, dass hier auch eine einmalige Ausstattung an Prüfständen für Schienen und Fahrzeuge bereit steht, die stets mit „grünen Techniken“ kombiniert wird. Eine optimale Anbindung an alle Verkehrsnetze und ein ausgezeichnetes Lebensumfeld kommen hinzu.

Ideale Infrastruktur als Basis

Etwa 10 Kilometer westlich vom Stadtzentrum von Brandenburg an der Havel und 70 Kilometer westlich von Berlin gelegen, hat die Halbinsel Kirchmöser direkten Zugang zum überregionalen Schienenverkehr. Mit eigenständigem Haltepunkt ist sie mit den Landeshauptstädten Hannover, Magdeburg, Potsdam und der Bundeshauptstadt Berlin verbunden. Hinzu kommen die unmittelbare Lage zur Hauptschifffahrtswasserstraße mit Anbindung an alle großen Flüsse und das deutsche Kanalsystem sowie ein Industriehafen mit 200 Metern Kailänge. Über die B1 als Autobahnzubringer ist zudem die Bundesautobahn Berlin-Hannover (BAB 2) zu erreichen.

Trotz der gewaltigen Eisenbahnanlagen wurde der Ort schon vor Jahrzehnten zu einem Nah-Erholungsgebiet. Unberührte Natur inmitten der Havellandschaft, neue Wohnhäuser sowie sanierte, historische Wohngebäude, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten bieten eine hohe Lebensqualität. Weite Fluss- und Seenlandschaften, moderne Anlagen für den Wassersport und überregionale Radwanderwege begeistern Wassersportler und Naturliebhaber. Eine Wohnungsauslastung von 99 Prozent und steigende Touristenzahlen sprechen für sich.

Altlasten verschwinden

Als die Stadt Brandenburg an der Havel auf Grundlage der Vorleistungen von Unternehmern und Industrie am Standort Kirchmöser Anfang 2003 den Kauf der Gesamtfläche von etwa 410 Hektar realisierte, war dieser Erfolg noch nicht absehbar. Im Jahre 2003/2004 erfolgte auch die Übernahme von rund 10 Hektar ehemaliger NVA-Fläche durch die Stadt. Seitdem wird aufgeräumt, saniert und revitalisiert.

Marode Entwässerungs- und Entsorgungskanäle, alte Stromnetze, Straßen und Wege in unzumutbarem Zustand, größtenteils schlechte Gebäudesubstanz sowie Munitionsfunde und zahlreiche Altlasten waren nicht eben ermutigend. Auch fehlende Pläne, vor allem aus DDR-Zeiten, machten die Ermittlung von verlegten Leitungen oft nur „per Bagger“ möglich. Eine Mammutaufgabe war die Beseitigung der Altlasten von rund 285.000 Tonnen belastetem Erdreich.

Revitalisierung in Rekordzeit

Mit dem Spatenstich am 2. Februar 2004 wurde die umfassende Revitalisierung des Standortes auf etwa 175 Hektar begonnen und im Sommer 2011 abgeschlossen. Zudem wurde ein Regionalmanagement eingerichtet. Im Laufe der Zeit wurden ein optimales Investitionsklima für mögliche Neuansiedlungen entwickelt sowie neue Investoren akquiriert und begleitet.

Auch Dr. Dietlind Tiemann, Oberbürgermeisterin von Brandenburg an der Havel, zeigt sich hoch zufrieden mit der Entwicklung:

„Durch die gezielte Initiierung von Projekten, eine aktive Bestands- und Netzwerkpflege und die Bündelung regionaler Potenziale konnten die gesteckten Ziele zeitnah erreicht werden. So haben sich neben den 20 Bestandsfirmen bis 2011 bereits 22 weitere Unternehmen am Standort niedergelassen.“

Auch die weichen Standortfaktoren wurden aufgewertet: Es wurden ein Gewerbe- und Industrieverein aufgebaut, die Gesamtschule Kirchmöser bei einer stärker berufsorientierten Ausbildung unterstützt, zur Verbesserung der Fachkräfteausbildung beigetragen als auch das Image ansässiger Unternehmen und die regionale Identität gestärkt.

Synergien durch Investitionen und Fördermittel

Das alles war nur mit hohen Investitionen seitens der Stadt und der Industrie sowie des Landes, Bundes und der EU möglich. So wurde beispielsweise der erste Bauabschnitt des Südteils des Industriegebietes mit rund 36 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kofinanziert. Zur Förderung der Infrastrukturmaßnahmen trug die Stadt Brandenburg a.d.H. den Eigenanteil. Auch die Unternehmen konnten auf die finanzielle Unterstützung von Bund, Land und EU bei ihren Investitionen zählen.

Am Industriestandort Kirchmöser sieht man, wie durch Anschubfinanzierungen aus Fördermitteln, mit einer umfangreichen Revitalisierung des Standortes durch die Stadt, Investitionen der Industrie und einem gezielten Regionalmanagement ein Standort erfolgreich und eigenständig werden kann.

Einmalige Ballung von Kompetenz

Heute präsentiert sich Kirchmöser mit einer einmaligen Konzentration von Unternehmen aus dem bahnaffinen Gewerbe. Dazu zählen zahlreiche von der Deutschen Bahn zugelassene Dienstleistungen der herstellenden Industrie in Partnerschaft mit der Deutschen Bahn AG, der DB Systemtechnik sowie dem Bahn- und Umweltzentrum. Sie prägen das Industrie- und Gewerbegebiet und bieten eine Mischung leistungsfähiger Unternehmen der Bereiche Bahn-, Fahrweg- und Diagnosetechnik sowie verschiedener Forschungseinrichtungen wie etwa die Fachhochschule Brandenburg (FHB) – FB Maschinenbau und das Bahnforschungszentrum i. V. des DB Eco Rail Centers bzw. des ECO-Rail-Instituts.

Zudem setzt der Standort mit Unternehmen wie bspw. voestalpine BWG GmbH & Co.KG, Klaus Thormählen GmbH, DB-Systemtechnik, GBM Gleisbaumechanik, RAIL.ONE GmbH etc. auf Innovationen bei der modernen und regenerativen Energieerzeugung und Umwelttechnik. Aber auch weitere Branchen und Dienstleister sorgen für eine gute Mischung.

Viel erreicht, weiter geht’s!

Das Regionalmanagement hat im August 2011 den Staffelstab an das industriell geführte Kompetenznetz Rail Berlin-Brandenburg GmbH (KNRBB) übergeben.

Die KNRBB GmbH knüpft an die Aktivitäten des Regionalmanagements an, setzt auf kooperierende Netzwerkpartner und wird sich u. a. um die Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur der Region Berlin-Brandenburg im Bereich der Schienenverkehrstechnik und übergreifender Industriezweige kümmern. Zudem stehen die Initiierung, Förderung und Realisierung von Kooperationen, Investitionsvorhaben und Projekten auf diesen Gebieten auf der Agenda.

Ziel: „Green Industrial Area“

Ein weiteres Etappenziel ist nach der Weiterentwicklung des traditionellen Bahnstandortes Kirchmöser, diesen zu einem führenden, europäischen Standort in der Bahnindustrie voranzubringen.

Mit dem Projekt „ECO-Rail-Institut“ ist eine branchenübergreifende Innovationsoffensive – gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Stadt, Land und Bund gestartet worden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit bestimmt den Weg zur Zielerreichung. Vorrangig sollen die Ansiedelung von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet emissionsfreier sowie energiesparender Antriebstechniken und Anlagen einschließlich der Betriebserprobung, Zulassung und Herstellung von Produkten bis zur Serienreife voran getrieben werden.

Dieses Projekt wird eine entscheidende Rolle am Standort sowie im Land Brandenburg, als auch auf internationaler Ebene spielen. Es ist eingebettet in die Absicht, sich vor Ort zu einer „Green Industrial Area“ zu entwickeln.

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EFRE-Förderung

Gesamtinvestitionsvolumen Infrastrukturmaßnahmen: 90,142 Mio. €
davon EFRE: 35,991 Mio. €

Förderprogramm: Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur – Infra (GRW-Infra)


Ansprechpartner

KompetenzNetzRail Berlin-Brandenburg GmbH
Am Südtor 1B
14774 Brandenburg an der Havel
Telefon: +49 (0) 3381 80 43 88 10
E-Mail: info@knrbb-gmbh.de
www.knrbb-gmbh.de

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